Übergang in die Schule

Die Vorbereitung auf eine erfolgreiche Übergangsbewältigung des Kindes in die Grundschule erfordert die Zusammenarbeit der Eltern, Kindertageseinrichtung und Grundschule in gemeinsamer Verantwortung für das Kind. Eltern sind als ein der wichtigste Partner am Gelingen der Transition (= Übergangsbewältigung) beteiligt.

Schulvorbereitung

Die Kindertageseinrichtung hat die unterstützende Aufgabe, die Kinder langfristig und angemessen auf die Schule vorzubereiten. Dies geschieht während der gesamten Kindergartenzeit und beginnt mit der Eingewöhnung in den Kindergarten. Das Kind bewältigt den Übergang von der Familie oder Kinderkrippengruppe in den Kindergarten. Dieser Übergang stellt schon einen eigenen Bildungsprozess dar, wie z.B. sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden, Kontaktaufnahme zu anderen Kindern und den Gruppenmitarbeiterinnen, sich einer Gruppe zugehörig fühlen, Regeln und Abläufe akzeptieren, die das Zusammenleben in einer Gemeinschaftseinrichtung ermöglichen.

Die sogenannte Schulvorbereitung bezieht sich sowohl auf die Förderung von Basiskompetenzen als auch auf die Förderung von schulnaher Vorläuferkompetenzen (z.B. Konzentration, Ausdauer, Aufgabenverständnis, Kommunikation, soziales Verhalten…) Sie umfasst vier große Bereiche, allem voran die sozialen/ emotionalen Kompetenzen, gefolgt von sprachlichen Kompetenzen, Motorik und kognitiven Kompetenzen, in denen das Kind Fortschritte zeigt.

Soziale / emotionale Kompetenzen

Das Kind hat ein positives Selbstkonzept und fühlt sich in seiner Persönlichkeit gestärkt.
Durch gestärktes Selbstvertrauen traut sich das Kind die Bewältigung neuer Situationen, Aufgaben und Probleme zu. Das Kind traut sich vor einer Gruppe Aufgaben zu bewältigen und in einer kleinen Gruppe für eigene Belange eintreten.
Über differenzierte, positive Rückmeldungen durch die pädagogischen Fachkräfte kann das Kind eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten selbst einschätzen und verbessern. Es wird dadurch die personale Kompetenz auch die Persönlichkeit des Kindes gestärkt.
Das Kind entwickelt eine notwendige Frustrationstoleranz.
Das Kind ist bereit Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
Das Kind kann Beziehungen situationsangemessen aufbauen und auch pflegen.
Das Kind fühlt sich in einer Gemeinschaft angesprochen und kann sich in eine Gemeinschaft einfügen. Es kennt und beachtet die erforderlichen Gesprächs- und Verhaltensregeln. Das Kind erkennt Absprachen als verbindlich an.
Eine gut entwickelte Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit ermöglicht dem Kind mit anderen zusammenzuarbeiten und an Themen gemeinsam zu arbeiten. Durch die aktive Beteiligung am Gruppengeschehen üben die Kinder ihre Mitverantwortung für die Belange der Gruppe. Dadurch werden sie zu sozialer Kompetenz angeregt.
Das Kind entwickelt Konfliktlösungsstrategien und erkennt und verhindert die Verschärfung von Konflikten. Es kann in Konfliktsituationen Kompromisse finden, Rücksicht nehmen, eigene Absprachen treffen und Toleranz gegenüber anderen Gruppenmitgliedern entwickeln und anderen Kindern vermittelnd helfen. Das Kind akzeptiert das Anderssein von Mitmenschen.

Kognitive und lernmethodische Kompetenzen

Das Kind kann durch sehen, hören tasten schmecken und riechen seine Wahrnehmung schulen, so dass Erkennens-, Gedächtnis- und Denkprozesse erweitert werden. (Spiele zur Merkfähigkeit und Wahrnehmungsfähigkeit, Bildergeschichten, Geschichten nacherzählen, …)
Das Kind steigert die Konzentrationsfähigkeit. Es kann sich auf eine Arbeit bzw. auf ein Thema zu konzentrieren.
Das Kind hat die Kompetenz selbst neues Wissen bewusst, selbst gesteuert und reflektiert zu erwerben. Es kann das erworbene Wissen anwenden und übertragen und den eigenen Lernprozess wahrnehmen.
Das Kind fühlt sich angesprochen, kann dann aktiv Zuhören und Anweisungen verstehen und ausführen.

Sprache und Literacy, Mathematische Bildung

Das Kind hat die Motivation und Fähigkeit sich sprachlich mitzuteilen und mit anderen auszutauschen.
Das Kind hat einen differenzierten und umfassenden Wortschatz und kann sich in einer angemessenen Sprache ausdrücken.
Das Kind kann sich grammatikalisch richtig ausdrücken.
Das Kind kann in richtiger Abfolge und sinnzusammenhängend erzählen (Geschichten, Bilderbücher) und entwickelt Textverständnis.
Das Kind kann Beobachtungen beschreiben.
Durch Lauschspiele schult das Kind sein Gehör und dabei erkennt es auch, dass Sprache etwas ist, worauf es hören und lauschen muss. Durch Reime, Verse und Lautspiele entdeckt das Kind, dass Sprache auch eine Struktur hat und kann diese anwenden.

Der Erwerb von mathematischen Kompetenzen ist untrennbar mit dem Erwerb von sprachlichen Kompetenzen verbunden. Kinder mit höherer und konzentrierter Spielaktivität haben auch eine differenzierte Sprache, ein besseres Zahl-, Farb- und Formverständnis sowie mehr Fantasie.
Das Kind hat ein räumliches und visuelles Vorstellungsvermögen.
Das Kind beherrscht das Körperschema als Grundlage für räumliche Orientierung.
Das Kind kann geometrische Formen und Objekte benennen und beschreiben.
Das Kind kann Muster (Reihenfolge) erkennen und fortsetzen.
Das Kind hat ein grundlegendes Mengenverständnis.
Das Kind kann Objekte und Materialien vergleichen, klassifizieren und ordnen.
Das Kind hat ein grundlegendes Verständnis von Relationen (z.B. größer/kleiner, schwerer/leichter, wie oft, wie viel, wie viel mehr).
Das Kind verfügt über die Zählkompetenz.
Das Kind hat ein Verständnis von Zahlen als Menge, Länge, Gewicht, Zeit und Geld
Das Kind kann Grundbegriffe der Zeitlichen Ordnung sich anwenden (vorher/nachher, gestern/heute/morgen, Jahreszeiten, Monatsnamen und Tage).
Die Kinder lernen auch ein Ordnungssystem im Gruppenraum zu erkennen und können selbständig Ordnung zu halten. Durch die äußere Ordnung haben die Kinder die Möglichkeit, zu innerer „Ordnung“ und Ausgeglichenheit zu kommen.

Groß- und Kleinmotorik

Das Kind erprobt und verfeinert seine motorischen und koordinativen Fähigkeiten bei Bewegungsspielen, Geschicklichkeitsspielen Turn- und Rhythmikangeboten und der Prozessorientierten Zeit im Garten. (z.B. Kraft, Schnelligkeit, Auge-Hand-Koordination, Reaktion, Raumorientierung, Rhythmus, Gleichgewicht, Differenzierung, Geschicklichkeit, Körperbeherrschung) Es lenkt dabei seine Konzentration auf bestimmte Bewegungsabläufe.
Das Kind hat die Möglichkeit durch gezielte Gestalterische Angebote und verschiedene Materialien seine Kleinmotorik zu trainieren. (z.B. schneiden, fädeln, falten, Stifthaltung, Umgang mit Pinsel oder Zange, …)
Wir regen die kreative Arbeit mit Naturmaterialien an und fördern selbständiges und auch angeleitetes Arbeiten und anspruchsvolles Gestalten. Konstruktionsmaterial und Geschicklichkeitsspiele stärken ebenso die Feinmotorik.

Pädagogische Arbeit

Es ist erstaunlich, dass gerade das Spiel der Kinder die in ihnen liegenden Fähigkeiten unterstützt und sie dadurch in der Lage sind, gerade die Fertigkeiten zu entwickeln, die auch für einen späteren Schulbesuch notwendig sind. Es gelingt durch eine gute Spielpädagogik die Vorbereitung auf die Schule ebenso gut. Daher wollen wir die Kompetenzen und Fertigkeiten der Kinder vor allem während der gesamten Kindergartenzeit durch die Prozesshafte Zeit und verschiedene Bildungsangebote in allen Bildungsbereichen stärken und die Grundlagen für vernetztes Denken anregen. Die Bildungsinhalte werden dazu stets entwicklungsentsprechend und am Projektthema orientiert in Teilgruppen vertieft. Diese Angebote können wöchentlich dem Wochenplan entnommen werden.
Ab Oktober wird aus den Vorschulkindern die Teilgruppe „Schlaufüchse“. Diese hat ab Oktober eine gestalterische Arbeit als Wochenaufgabe zu erledigen. Es wird zwischen einem freigewählten und vorgegebenen Thema gewechselt. Außerdem nehmen sie an anspruchsvolleren und entwicklungsentsprechenden Bildungsangeboten teil. Die Kinder entwickeln dabei Eigenverantwortlichkeit, Selbständigkeit, Zeiteinteilung, Organisation zur Umsetzung von Vorhaben. Das Vorschulkind soll lernen, sich auf eine Arbeit bzw. auf ein Thema zu konzentrieren und es umzusetzen. Wir fördern das aktive Zuhören und wollen erreichen, dass sich die Kinder angesprochen fühlen und Arbeitsaufträge verstehen und ausführen können.
An den Beispielen, Zielen und Methoden ist erkennbar, dass die Schwerpunkte unserer Vorschulerziehung nicht einseitig auf den kognitiven Bereich beschränkt sind. Wir wollen die Kinder ganzheitlich fördern und bestmöglich auf die Anforderungen der Schule vorbereiten.

Kooperation Grundschule

Eine intensive Gestaltung des Übergangs und damit Fachgespräche, in denen sich Kindertageseinrichtung und Grundschule über einzelne Kinder namentlich und vertieft austauschen, finden in der Regel erst im letzten Jahr vor der Einschulung statt. Zu dessen Beginn werden alle Eltern auf dem Einschulungselternabend und im Einzelgespräch um ihre Einwilligung ersucht, um solche Fachgespräche bei Bedarf und in Absprache mit den Eltern führen zu dürfen. Bei Kindern, die an einem Vorkurs teilnehmen, erfolgt das Einwilligungsverfahren in der Regel bereits im Jahr davor. Im letzten Jahr beginnt zugleich die Begleitung des Kindes, aber auch der Eltern beim Übergang in die Schule.

Kooperation mit der Grundschule

Die Kooperation von Kindertageseinrichtung und Grundschule besteht zu einem wesentlichen Teil aus gegenseitigen Besuchen, bei denen Erzieherinnen, Lehrkräfte und Kinder miteinander in Kontakt kommen. Unser Kindergarten arbeitet insbesondere mit der Grundschulen Oberalteich, Bogen, Degernbach oder auch Förderschulen zusammen. Nicht auszuschließen ist, dass einzelne Kinder später in eine andere Schule kommen.

Typische Besuchssituationen sind:

Die 1. Klasse besucht zweimal im Jahr den Kindergarten (vor Weihnachten, Sommer). Die Kinder besuchen vor und nach der Schulanmeldung die Grundschule Oberalteich in Begleitung mit ihren Erzieherinnen. Kinder, die eine andere Grundschule besuchen, werden von den Eltern begleitet. Lehrkräfte der Grundschule besuchen die Kindertageseinrichtung, um die Partnerinstitution Kindertageseinrichtung näher kennen zu lernen. Die Lehrkräfte kommen hierbei zwangsläufig mit allen Kindern in der Einrichtung in Kontakt. Alle Kinder sind daran beteiligt, wenn z.B. mit Schulklassen gemeinsame Projekte durchgeführt werden. Für Kinder, deren Einschulung ansteht, sind Schulbesuche wichtig, um den neuen Lebensraum Schule und die neuen Bezugspersonen frühzeitig kennen zu lernen.

Vorkurs Deutsch lernen vor Schulbeginn

An einem „Vorkurs Deutsch lernen vor Schulbeginn“ nehmen jene Kinder mit und ohne Migrationshintergrund teil, die einer gezielten Begleitung und Unterstützung bei ihren sprachlichen Bildungs- und Entwicklungsprozessen bedürfen. Die Kursteilnahme verbessert Startchancen der Kinder in der Schule. Dem Vorkurs geht eine gesetzlich vorgeschriebene Erhebung des Sprachstandes des Kindes in der ersten Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres voraus. Der Vorkurs Deutsch beträgt 240 Stunden, die Kindergarten und Grundschule je zur Hälfte erbringen. Der Kindergartenanteil beginnt in der zweiten Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres mit 40 Stunden und setzt sich im letzten Jahr mit 80 Stunden fort. Die Grundschule Oberalteich erbringt je nach Stundenzuteilung durch das Staatliche Schulamt im letzten Kindergartenjahr ungefähr einmal wöchentlich den Vorkurs im Kindergarten.